Ein Gespräch mit Sabine Schründer
Interview: Sabin Bors / AntiUtopias


Sabin Bors: Deine fotografische Kunst ist eine permanente Diskussion der Relation vom Individuum zu Gefahr, (Selbst-)Kontrolle, (Un-)Sicherheit, Eindringen… . Wie kamst du zu diesem Ausdruck und warum ist es das Kernthema deiner Arbeit?

Sabine Schründer: Deine Aussage im Hinblick auf meine Kernthematik finde ich sehr interessant, da ich meine inhaltlichen Schwerpunkte eher in den Dynamiken zwischen System und Einzelpersonen sehe: Der permanente Drang des Individuums sich zu verändern, aus einer passiven Stagnation und Isolation auszubrechen, sich verschiedenen Anforderungen des Daseins zuzuwenden. Aber du hast natürlich Recht, dass das Bedürfnis nach Sicherheit, Selbstkontrolle und Unruhe Teile dieser Themen sind, zumal Angst und Sicherheitspolitik Aspekte sind, denen man sich nicht mehr entziehen kann. So beleuchte ich in meinen einzelnen Werkgruppen das Themenfeld Sicherheit, Kontrolle, Unruhe – manchmal mit einem eher distanziert-analytischen und manchmal subjektiven und persönlichen Ansatz. In beiden Fällen zeigen die Bilder meine Interpretation von verschiedenen Teilaspekten gegenwertiger Realitäten und der Konfrontationen des Individuums mit den Werten und Strukturen einer modernen Gesellschaft.

Sabin Bors: In deiner Kunst ist das Thema „Isolation“ immer wiederkehrend. Obwohl Interaktionen immer direkt sind, gibt es auch Separation, Abweichungen, Anonymität, im Verborgenen sein. Wie siehst du die Verbindung von diesem im Verborgenen sein und unserem Bedürfnis nach Sicherheit?

Sabine Schründer: Angst ist vielleicht der „wunde Punkt“ von jedem von uns, der eine Angriffsfläche von Politik und Ökonomie bietet. Jeder hat das Bedürfnis nach Sicherheit, und damit meine ich nicht ein Leben in einem Überwachungsstaat, sondern nach Sicherheit durch Verbundenheit und Vertrauen – sei es zunächst „nur“ das Vertrauen in sich selbst. Trotz womöglich vieler täglicher Interaktionen kennt vielleicht jeder das Gefühl der Isolation und sehnt sich nach der Sicherheit durch Ruhe und Zuversicht. Das ist ja manchmal ein schmaler Grat zwischen Optimismus und der Unruhe und Angst vor der Sinnlosigkeit des eigenen Schaffens. Da ist dann der Zweifel an dem Konsens zwischen dem Eigenen und dem Gesellschaftlichen.

Sabin Bors: Du suchst mehr nach dem Nicht-Greibaren. Deine Kunst behandelt nie direkte, konkrete Gefahren, sondern unterschwellige, innere Ängste. Denkst du das Ungreifbare ist stärker als das Fassbare? Sind innere Gefühle schrecklicher als äußere Zustände oder gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen diesen beiden?

Sabine Schründer: Das Sichtbare und somit auch das Greifbare ist eine wichtige Orientierungsquelle für das Erfassen von realen Zusammenhängen. Doch für mich ist es die größte Herausforderung das Nicht-Sichtbare, latente emotionale Zustände zu behandeln und dieses Nicht-Greifbare so darzustellen, dass es zwar eine Aussage hat, aber sich dennoch aufs Neue entzieht, evtl Lücken und Fragen hinterlässt. Vielleicht bleibt ein Zustand der Unruhe zurück, ein Status zwischen Ahnung und Schwinden. Für mich persönlich hat sich das Kreisen um dieses Ungreifbare als Quelle erwiesen, oder vielleicht sollte ich besser sagen, die Fokussierung auf das Nicht-Greifbare, Emotionale, Sinnliche, Psychologische ist mein Weg um mich fassbaren/ realen Umständen zu nähern. Andere Künstler schaffen dies durch wichtige dokumentarische Arbeiten und Umsetzungen. Wenn ich so arbeite, dann denke ich immer: darum geht es mir doch gar nicht, sondern um etwas dahinter, etwas Nichtfotografierbares. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen den inneren und äußeren Welten, doch wenn du mich nach Angst oder anderen unangenehmen Emotionen fragst, dann werden diese selten direkt durch äußere, fassbare, erklärbare Zustände ausgelöst sondern oft durch das Ungreifbare, das Abwesende und dem inneren Unbekannten.

intrude (into), Federn, Inkjet Print, gerahmt, 59 x 72cm, 2007

Sabin Bors: Deine Szenarien sind immer vage, aber du konstruierst sie in einer Weise, dass sie auch ein Raster von institutioneller Manipulation zeigen. Wie siehst du das heutige Verhältnis vom Individuum und System, angenommen, dass die Politik durch collagenhafter Wirklichkeitszusammensetzung, durch eine Art eigenes Zeichensystem, den Einzelnen versucht unter Kontrolle zu halten?

Sabine Schründer: Kontrolle durch Marketing und institutionelle Manipulation sind subtil und es ist schwierig, sich diesem Netz der Beeinflussung bewußt zu werden, da ja zunächst alles gut und reich und modern und schön erscheint. Gesellschaftliche Zwänge haben nachgelassen, psychische Zwänge sind nun verstärkt: Das Individuum hat mehr Selbstverantwortung, da die heutigen gesellschaftlichen Werte bestimmt sind durch Initiative, Projekte, Motivation, Flexibilität. Es ist ein ständiges Kreisen in der Gegenwart, dies wird ja auch durch Dauerwerbung, Endloskonsum und Neuigkeitsüberladung permanent verstärkt. Dieser Strudel wird ja bewusst immer weiter angetrieben, um zu beschäftigen, keine Langeweile aufkommen zu lassen und von der lückenhaften Informationspolitik abzulenken. Es verlangt schon ein beträchtliche Wahrnehmung und Achtsamkeit, sich diesem ganzen Wahnsinn nicht passiv hinzugeben, sondern reflektiert und unabhängig zu denken und zu handeln.

Sabin Bors: Kann Fehlen und Mangel eine Quelle von subjektiver Bedrohung sein? Wenn dem so ist, denkst du dass dieses Fehlen auf materielle, körperliche, emotionale Bedürfnisse beruht, oder ist es mehr eine umgekehrte, gespiegelte, endlose Rückkopplung?

Sabine Schründer: Vielleicht könnte man dieses Fehlen eher beschreiben als Nicht-Benennbares, als Lücke. Dieses Unbekannte in uns, ist der Auslöser für Bedrohung und Angst. Wie ich eben schonmal erwähnt hab glaube ich, dass dieses Ungreifbare nicht an erklärbare materielle oder körperliche Umstände gekoppelt ist. Wahrscheinlich hat jeder greifbare materielle oder physische Themen die Unruhe stiften, allerdings ist diese Bedrohung oft eingrenzbar. Betäubende Angst wird denke ich eher von dem Fehlenden, dem Abwesenden, von der (Informations-)Lücke ausgelöst, was dann natürlich wiederum Einfluss hat auf die physische und psychische Verfassung des Einzelnen. Dieses Fehlende/ Unbekannte kann sich verändern, kann abnehmen, aber es wird wahrscheinlich nie ganz verschwinden. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, warum ich in meinen Bildwelten dieses Un-Greifbare umkreise.

Sabin Bors: Du sprichst im Zusammenhang mit (Un-)Sicherheit von „Illusion“ welche wir anstreben, um unsere Ängste zu überwinden. Warum eine „Illusion“?

Sabine Schründer: Gefahren sind oft abstrakter Natur, werden dennoch als reale Bedrohung empfunden, vor allem wenn sie durch politische Maßnahmen konkretisiert und somit existenter gemacht werden. Die Angst des einzelnen wird dadurch zum politischen Machtinstrument. Dennoch werden diese Gefahren und Ängste hauptsächlich von diffusen Szenarien genährt, und das Ergebnis institutioneller Manipulation sind „Phantom-Ängste“ die natürlich auch medial suggeriert werden. Durch diese Angst kommt die Gefahr von beiden Seiten– von Innen und von Außen, und somit ist ein Zustand von Sicherheit nicht wirklich erreichbar, ist ein künstlich konstruiertes Ziel, eine Illusuion. Diese Illusion hat eine betäubende Wirkung und je nach Wahrnehmungsperspektive kann sie auch beruhigend wirken. Somit wird diese Illsuion der Sicherheit zum höchsten Gut im Handel mit der Angst.

Eva-05, Tunnel, Inkjet Print, 59 x 72cm, gerahmt, 2009

Sabin Bors: Deine Bilder basieren auf verschiedene Assoziation und Konnotationen, obwohl diese oft ausserhalb der direkten Realität stattfinden. Wie würdest du Realität definieren?

Sabine Schründer: Die unterschiedlichen Realitäten ­– die politischen, gesellschaftlichen, sozialen etc – bedingen sich teilweise, stossen aufeinander oder durchdringen sich. Wenn ich dafür ein Bild entwickeln soll, stelle ich mir diese einzelnen Realitäten als mehr oder weniger durchsichtige, jedoch existente Ebenen vor, die sich in unterschiedlichen Winkeln durchkreuzen. So entsteht ein riesiges, komplexes Raster-Gebilde, welches letztlich für den Einzelnen in der Gesamtheit nicht erfassbar ist. In diesem Gebilde befindet sich jeder an einer anderen Stelle und betrachtet aus einer anderen Perspektive Teile dieses Gebildes– eben von dem Standpunkte der eigenen Wirklichkeit. So bleiben viele dieser Ebenen nicht sichtbar, weil sie aufgrund der eigenen Perspektive verdeckt sind und sich teilweise nur erahnen lassen. Dies ändert allerdings nichts an der Existenz dieses riesigen, sich ständig verändernden Gebildes. Es kann Konfrontationen mit gegebenen Umständen und Zuständen geben, denen jeder einzelne ausgesetzt ist. Auch wenn sich diese Zustände und Fakten verändern und der Einzelne teilweise zur Veränderung und Entwicklung beitragen kann, ist es letztlich oft „nur“ die eigene Sichtweise, das Wissen, der Standpunkt und so die eigene Wirklichkeit, die veränderbar sind. Diese eigene Wirklichkeit und Erfahrung liefert die Basis für die Art und Richtung der Assoziationen und Konnotationen die du angesprochen hast. In diesem Zusammenhang gibt es natürlich kein richtig oder falsch und auch wenn sie stark sind und subjektive Empfindungen auslösen, haben sie nichts direktes mit der Realität zu tun oder tragen nicht unmittelbar zur Realität bei.

Sabin Bors: Was mich an deinen Bildern wirklich fasziniert ist die scheinbare Ruhe, die offensichtliche Klarheit, welche immer auch beunruhigend wirkt. Du nimmst den ursprünglichen Kontext weg und schaffst Bildkonstruktionen welche subjektive und institutionelle Kontrolle, Identität, Politik zusammenführen, doch du positionierst diese im direkten Zusammenhang mit Natur und dessen scheinbare Ruhe. Diese Natur zeigt niemals seine Unruhe, doch bildet sie einen Kontrast zu subjektiven, institutionellen oder politischen Unruhen. Warum kreierst du diese kontrastierende Natur? Wie prägt Natur die Realität und umgekehrt?

Sabine Schründer: Erscheinungen in der Natur verbindet man zunächst nicht mit politischen und psychologischen Themen, das ist ein großes Potential. Mir geht es nicht um die Darstellung von Natur als solche. Ich benutze Orte und Landschaften als Areal für meine Verdichtungen. Natur als vertrauten, unberührten Raum, in dem ich Irritationen herausarbeite und Spuren von menschlichen Eingriffen uminterpretiere. Ich zeige Bilder der Ruhe und Abwesenheit und versuche in dieser Ruhe, welches auch ein Geisteszustand sein könnte, durch leichte Verschiebungen und Veränderungen die Basis zu entziehen. Allein durch die Tatsache, dass ich die Fotografien bearbeite und teilweise neu konstruiere, schwingen Aspekte wie Kontrolle mit.

Sabin Bors: Du sprichst von „ästhetischer Verlockung“ und „unterschwelligem Unbehagen“. Dazwischen baust du Szenen aus klarer, ruhiger, fast unerbittlicher Zurückhaltung. Wie siehst du das Verhältnis von Feindschaft und Gastfreundlichkeit, zwei Begriffe welche du nicht benutzt, aber welche evtl einige der Verbindungen erklären könnten, die du konstruierst?

Sabine Schründer: Ja vielleicht könnte man diese Begriffe benutzen um meine Bilder und das von ihnen Umspannte beschreiben. Durch eine formale und ästhetische Klarheit, fällt es nicht schwer, sich in den Bildwelten aufzuhalten, sich darauf einzulassen. Doch dann klingen Fragen an, die nicht beantwortet werden oder etwas Beunruhigendes ahnen lassen und irgendwann wendet man sich eher irritiert ab. Das klingt gemein, aber für mich ist es auch eine eigene Übertragung von (mich umgebenden) gesellschaftlichen Zuständen, die zunächst mit glitzernden Werten ihre Fassade aufbauen, die sich jedoch auflösen und umkehren, wenn man tiefer eindringt oder Teil davon ist.

Ellipsen, Treppe, Inkjet Print, gerahmt, 30 x 35cm, 2010

Sabin Bors: Warum löscht du die Referenzpunkte aus deinen Bildern? Warum verzerrst und löschst Überwachung? In deinen Arbeiten gibt es keine Überwachung, da sind einfach nur Bruchteile von Sekunden, anonyme Verbindungsstellen und Überwachung ist meistens eine Annahme und eine Übereinstimmung zu einem herrschenden Ausgesetztsein.

Sabine Schründer: Im Zusammenhang mit dem Thema Sicherheit sehe ich wie eben schon erwähnt, nicht die Überwachung als primären Aspekt, sondern vor allem der institutionelle Umgang mit der Angst und mit Gefahren, die abstrakt sind. Doch ich kann gerne noch näher auf die Überwachung eingehen: Sie ist schon lange keine absteckbare Aktion mehr, nichts was man verhindern könnte, sondern ein allgemein vorherrschender ZUSTAND, ein allgegenwärtiges Merkmal unserer Kultur. Diesen Zustand setze ich als gegeben voraus, zumal es ja nicht nur um Überwachung im öffentlichen Raum geht, sondern institutionelle Überwachung und Manipulation auf unsichtbaren Ebenen und Wegen. Genau dieser Zustand und auch die nicht-sichtbaren Kontrollen beunruhigen mich und ich versuche diese Unruhe zu übertragen, indem ich Referenzpunkte lösche, Zuordnungen erschwere und Fragen stelle. Meine Bilder liefern nur bruchstückhafte Informationen – das Fehlende wird spekuliert oder assoziativ ergänzt. Der Betrachter wird auf sich selbst zurückgeworfen, nicht zuletzt durch das Löschen von Anwesenheit, welche ja durch Überwachungskameras simultiert wird.

Sabin Bors: Die Gesellschaft ist auf bestimmte Strukturen aufgebaut, welche die Dynamiken von sozialen Verbindungen beinhalten. Wie kann das Individuum aus diesen Dynamiken ausbrechen und den eigenen Kontext neu kreieren?

Sabine Schründer: Auch wenn es manchmal schwierig erscheint, hat jeder die Möglichkeit zumindest seine Wahrnehmung und Einstellung zu gegebenen Umständen zu ändern. Wahrscheinlich ist diese Haltung der Schlüssel zur Selbstgestaltung vom Zusammen-leben. Die eigene Wirklichkeit kann permanent verändert werden und wenn man den Veränderungen, die von außen kommen, eher neugierig und bewußt gegenübersteht, und nicht in gelangweilte Anpassung verfällt, dann kann der eigene Kontext selbst organisiert werden. Oft sind es ja nur Veränderungen im kleinen Kreis, in der Zusammenarbeit mit anderen, dies auch im Hinblick auf die Spannung zwischen dem Möglichen und Unmöglichen welche man ständig erfährt. Ich arbeite gerne mit anderen zusammen, sei es in Künstlerkooperationen oder in der Lehre – die Energien und Inspirationen die in Gesprächen, Diskussionen und einfach im Zusammensein entstehen, sehe ich als das Wertvollste und ist elementar für die Realisierung jeder Art von Veränderung und Entwicklung.

Sabin Bors: Eines deiner künstlerischen Elemente welches ich am meisten schätze ist der nicht-erzählerische Ansatz, deine Absicht die Ahnungen des Einzelnen vor dem allgemeinen sozialen und politischen Rahmen zu verstärken. Doch sekundäre Erzählweisen scheinen so langsam die größeren Zusammenhänge noch weiterführender zu beschreiben. Wie kann Kunst diese Erzählungen entwickeln, ohne letztlich in die gleiche erzählerische Art zu verfallen?

Sabine Schründer: Ich bediene mich verschiedener Gedankenwelten, einem inneren Netzwerk von Informationen, Ideen, Erfahrungsräumen, Fiktionen. Mein Blick auf die Welt ist natürlich geprägt von den Dingen mit denen ich mich selbst beschäftige, der Literatur die ich lese, die Themen die mich umkreisen oder auch Musik die ich höre. Es ist letztlich alles miteinander verbunden. Oft ist eine thematische Eingrenzung nur die Ausrichtung der Sensoren bei der Suche und dem Ringen nach neuen Bildern. Und so kann ein Bild, welches ich fotografiert hab, manchmal einige Jahre im Archiv liegen und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll, was es bedeutet oder was es damit auf sich hat. Ich betrachte es immer wieder, verwerfe es und irgendwann sehe ich es aus einer anderen Perspektive, und versuche es zu bearbeiten, Informationen zu entfernen oder zu ergänzen, und plötzlich geht es diese Verbindung ein mit anderen inneren Räumen, es entstehen Zusammenhänge, die ich bisher noch nicht erkannt hatte, und ich weiß, dass es funktioniert, dass es sich mit einem größeren Ganzen verbindet. Da jeder Künstler eigene innere Welten hat, ist die Gefahr glaube ich nicht so groß, dass sich da Wege austrampeln, obwohl es manchmal ähnliche Herangehensweisen und Techniken gibt. Doch sobald eine Technik einfach auf eine neue Arbeit übertragen oder kopiert wird, als Stilmittel übergestülpt wird, bleibt es eine Technik die zwar ein Bild liefert, welches aber von nirgendwo kommt und nirgendwo hinführt.

Sabin Bors: Deine Arbeiten zeigen nicht direkt die Bedrohungen und Ängste. Sie zeigen den Raum und die Lücken unserer Fiktionen. Zeit ist nur eine Unterbrechung, ein Schnitt im räumlichen Zusammenhang. Warum betonst du die räumliche Eigenschaft von Bedrohung und Angst?

Sabine Schründer: John Berger hat in seinem Essay „Der Ort der Malerei“ geschrieben „Abwesenheit liegt zwischen Zeit und Raum“ (John Berger, Essay The Place of painting, 1982). Jedes einzelne Bild vermittelt einen Raum, in dem man sich als Betrachter begibt. Das Bild hat einen Ort, und dabei geht es nicht um den abgebildeten Ort, sondern einen imaginären Raum in dem man sich aufhält, wenn man das einzelne Bild betrachtet. Dieser Ort ist eventuell ganz weit entfernt – ein Raum der Abwesenheit. In der installativen Hängung, die mir bei vielen Arbeiten wichtig ist, versuche ich zusätzlich zu diesen einzelnen, sich eröffnenden Bildwelten einen imaginären Areal zu schaffen, in dem sich mehrere Bildräume verbinden oder auch voneinander abprallen. Angst und Bedrohung behandele ich als Teil dieses inneren Vorstellungsraums und übertrage meine Interpretation durch die Umkreisung eines räumlichen und psychologischen Zustandes der Abwesenheit– die Hauptquelle für Bedrohung und Angst.

Ellipsen, Wand, Inkjet Print, gerahmt, 110 x 133cm, 2010

Sabin Bors: Du kreierst elliptische Konstruktionen als Vorstellung einer „spekulativen Leerstelle“. Wie liefern diese Lücken Schlüssel zu neue Interpretationen und Neu-Kontextualisierung von sozialen Realitäten?

Sabine Schründer: Fülle, Konsum, Datenvermassung täuschen einen Überfluss und Wohlstand vor, der letztendlich oft mit einer inneren Leere, Isolation und auch Vereinsamung einhergeht. So sehe ich z.B. auch das Schaffen von Identitäten auf den neuen sozialen Plattformen als eine Konstruktion einer Leerstelle. Dies ist zumindest meine Sichtweise und ich beschreibe sie mit Bildern, die zeitweise diese Leerstellen umkreisen. Digital eingefügte Leerstellen und die Reduktion auf sehr wenige Bilder, bilden einen Kontrapunkt zur alltäglichen, medialen Bilderflut. In ihrer Verbindung in der Installation entsteht eine Art Netz von Ahnungen und Codes, dessen Entschlüsselung bei jedem einzelnen liegt, und bei denen keine Leserichtung und Interpretationsmöglichkeiten vorgegeben wird. Diese bruchstückhaften Erzählstrukturen knüpfen letztlich auch an fragmentarische Informations- und Wissenskonsumierung an. Die Serie Ellipsen ist zwar im Moment auf wenige Bilder beschränkt, ich arbeite an der Serie aber noch weiter: die sich öffnenden Bild- und Informationsräume sind quasi grenzenlos und es ist für mich spannend, noch mehr Bilder zu schaffen, die etwas beschreiben aber nicht informieren. Letztlich geht es mir um die Aspekte wie Isolation, Leere, Datenüberfluss, Hermetik, Gleichschaltung und Kontrolle – in meiner Interpretation eben die wesentlichen Aspekte von sozialen Realitäten.

Sabin Bors: Könntest du bitte deine Definitionen der Begriffe Effekt, Affekt und Defekt?

Sabine Schründer: Für mich sind diese Bezeichnungen eine sich bedingende Begriffskombination, ein zusammenhängender Kreislauf von Prozessen und Zuständen, die zwar voneinander abhängig sind, aber dessen Benennungen austauschbar sind, je nachdem an welchem Punkt man mit der Erklärung beginnt, bzw. welche Perspektive und Haltung man selbst zu diesen Bedingungen hat. So sind zum Beispiel Depression und Angst der Effekt von einer extrem leistungsorientierten Gesellschaft, sind in der ursprünglichsten Form eine affektive Störung und gleichzeitig ein (psychologischer) Defekt– für den Einzelnen aber auch für die Gesellschaft insgesamt, wenn man bedenkt, dass Depression in den entwickelten Ländern die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung ist.

Sabin Bors: Du sprichst auch von em Anlegen digitaler Identitäten. Wie siehst du das Verhältnis von digitaler und analoger Identität und interpretierst es?

Sabine Schründer: Nach Alain Ehrenberg wird das ideale Individuum nach seiner persönlichen Initiative gemessen. Dies finde ich interessant in Bezug auf neue soziale Netzwerke: Die Aktivität und Initiative des Einzelnen wird oft gleichgestellt oder abgeleitet von der Aktivität auf diesen Plattformen. Wenn man viel und oft etwas postet, dann ist man präsent und erfährt Bestätigung durch Kommentare und „gefällt mir“- posts. Der Einzelne ist in der ständigen Bewegung, ist in dieser Bewegung verortet und verortbar, ständig „connected“ und stets bemüht initiativ und kreativ zu sein. Es gibt eine Gleichschaltung von Attributen analoger Identitäten mit denen auf sozialen Plattformen. Und letztlich hat unsere Gesellschaft, in der immer mehr Selbstinitiative und Selbstorganisation verlangt wird, die Wichtigkeit und Bedeutung von digitalen Identitäten wachsen lassen. Sie sind eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung, zur Selbstidealisierung, zum Zeitvertreib und gleichzeitig die Möglichkeit des Aufbaus einer Illusion, eben an den Stellen, wo die digitale Identität sich von der analogen extrem weit entfernt. Diese Kluft zwischen dem Digitalen und dem Analogen ist natürlich auch extrem interessant und ich möchte mich mit meinen Bildern noch weiter dieser Kluft nähern. Letztlich trägt die ständige Vermischung von den beiden Identitätswelten eher zur Konformität, Gleichschaltung und Gleichgültigkeit bei.

Sabin Bors: Bei der Beschreibung von Ellipsen, erwähnst du dass eine Person – und eine Persona, wenn ich ergänzen darf – allein durch ökonomische Interessen geschaffen wird. Diese Behauptung zeigt eher einen psychopolitischen als einen biopolitischen Ansatz, wo Marketing- Strategien zu einer unerschöpflichen Quelle für existentielles Design werden. Wie verstehst du diese innere, fast organische und intuitive Tendenz zur Existenzgestaltung welche die jetzigen Gesellschaften bestimmen?

Sabine Schründer: Unsere jetzige globalisierte Gesellschaft wird durch Gleichschaltung und Homogenität bestimmt und nach Bernhard Stiegler werden die Gehirne für den Konsum modelliert (und nicht die Produkte nach den Bedürfnissen des Verbrauchers). Es ist durch dem permanenten Ausgesetztsein von zB. profilangepasster Werbung und der ständigen Errichtung neuer Einkaufszentren unmöglich geworden, nicht zu konsumieren. Die Selbstidentifikation funktioniert nicht mehr über individuelle Ansichten und persönliche Werte, sondern mehr und mehr über Dinge und Symbole und ist ständig über das gesamte analoge und digitale Netzwerk verteilt. Es ist sozusagen eine Ich-Erweiterung durch das Beitreten in die Vereinheitlichung. Visuell und inhaltlich völlig langweilig und psychologisch total erschreckend: Durch die kontrollierte Verschiebung der Wünsche und Werte von gesellschaftlichen Inhalten zum Konsum, wird die Masse eingelullt, sorglos und unselbständig gemacht. Der irgendwo im „Verborgenen“ nicht sichtbare Informations- und Datenberg wächst permanent, doch er wird nicht besteigbar sein, um uns mit Abstand auf die Welt blicken zu lassen. Sondern dieser Berg fungiert weiter als transparentes Werkzeug der Kontrolle und ist für die Zukunft kulturell völlig wertlos.

intrude (into), Spots, Inkjet Print, gerahmt, 80 x 100cm, 2007

Mai 2013
http://www.anti-utopias.com/constructed-aims-a-conversation-with-sabine-schrunder/

A Conversation with Sabine Schründer
Interview by Sabin Bors / AntiUtopias


I have found that circling this indefinable is in itself a source.

Sabin Bors: Your photographic art is an ongoing discussion of the link between the individual and danger, (self-)control, (in)security, intrusion… What made you choose this subject matter and how did it become the core issue of your work?

Sabine Schründer: It’s interesting you should say that about the core issue, because my focus is really about the dynamics that exist between systems and the individual – our constant urge to change, to escape from stagnation and isolation, to address the various challenges of Being. But you’re absolutely right. The need for security, self-control and intrusion are all elements of this, especially since we can no longer avoid issues such as fear and security policies. That’s why my approach to the question of security, control and intrusion in all of my works is at times remote and analytical and at other times more personal. In both cases the images are my interpretation of several partial aspects of current realities and the individual confrontation with the values and structures of modern society.

Sabin Bors: Isolation is a recurrent motif in your art. Although interaction is always direct, there is evidence of separation, deviation, anonymity, oblivion… What is your understanding of the relation between oblivion and our need to feel safe?

Sabine Schründer: Fear is probably everyone’s weak spot and hence a perfect target for politics and economics. We all have this need for security and I don’t mean wanting to live in a police state. I’m talking about the protection afforded by relatedness and faith — even if it’s “only” faith in ourselves. Despite our numerous daily interactions, we all have that feeling of isolation, a longing for the safe haven of quietude and confidence. We tremble at the fine line that bounds our sense of optimism and our fear regarding the futility of our own accomplishments. And then, there’s also a skepticism that accompanies a shifting consensus between the Self and the social.

Sabin Bors: Your search entails exploring the intangible. Your art is never about immediate, palpable danger, but rather about subliminal, more intimate fears. Do you think the intangible is more powerful than the discernible? Is the inner state more shocking than external conditions or is there a direct link between the two?

Sabine Schründer: The visible and therefore the tangible is a key source of orientation in the attempt to grasp real connections. The greatest challenge for me is to approach the non-visible, to tackle latent emotional states and express these intangibles in such a way that, although a statement is made, it is elusive and may leave gaps and questions in its wake. Perhaps it leaves something unsettled, a see-saw between intuition and evanescence. I have found that circling this indefinable is in itself a source. Focusing on the intangible, emotional, sensual and psychological is my method of visualizing real conditions. Other artists achieve this by producing documentary work. Valuable as that method is, if I work like that I always think: this is not my point, I’m interested in what lies underneath, in something that cannot be photographed. Of course there’s a connection between the inner and outer worlds. Fear and other disturbing emotions you are asking about are rarely triggered by external, tangible, explicable circumstances but often by the intangible, the absent and the inner unknown.

intrude (into), Feathers, Inkjet Print, framed, 59 x 72cm, 2007

Sabin Bors: Your scenarios are always obscure but you construct them in such a way as to expose a grid of institutional manipulation. How do you see the individual-institution relationship today, given that politics relies on assemblages of truth, on its own cultural code in order to contain the individual?

Sabine Schründer: Marketing and institutional manipulation are subtle forms of control. Becoming conscious of this web of influence is not an easy task, since on the surface everything seems good and rich and modern and nice. Social pressure has relaxed but psychological pressure has intensified. The individual is now forced to take on more responsibilities. Social value is determined by initiative, project development, motivation and flexibility. This entails a permanent rotation in a present which is incessantly re-distributed through advertising, endless consumption and news-overload. This maelstrom is deliberately fired up — to keep people occupied, to hold boredom at bay and to detract from a fragmentary policy of information. It takes considerable awareness and attentiveness not to fall into the trap of all this madness and to think and act in an informed and autonomous manner.

I try to create an imaginary space in addition to the individual enfolded pictorial worlds presented, one in which several pictorial spaces either blend with or recoil from each other.

Sabin Bors: Can absence be the source of a subjective threat? If so, do you think this absence is due to a material, physical or emotional need, or is it in fact an inverted, mirrored, infinite reflection?

Sabine Schründer: Maybe the unnameable is a more accurate description of this absence. This unknown in us sets threat and fear in motion. As I said earlier, I don’t believe that this intangible is linked to explainable physical or psychological conditions. Probably everyone has comprehensible material or physical topics that can cause confusion, but in most cases the threat can be contained. I think paralyzing fear is activated by the missing, the absent, the (knowledge) gap, which in turn of course impacts the physical and psychological state of the individual. This unnameable/ absent/ unknown can change, can decline, but in all likelihood will never vanish completely. This may be one reason why I circle around the intangible in my pictorial world.

Sabin Bors: In the context of (in)security you speak of the “illusion” we embrace to negotiate our fears. Why “illusion”?

Sabine Schründer: Dangers are frequently abstract in nature, but perceived nonetheless as a genuine threat, particularly when they become more defined as a result of political action, and thus more real. In this sense individual fear becomes a powerful political tool. Threats and fears of this kind are primarily cultivated by obscure scenarios. Institutional manipulation breeds “phantom fears” that are, of course, conjured up by the media. This fear could also be portrayed as a constant, albeit subjective threat that seems to emerge both from within and without. Consequently, safety cannot really be achieved. It’s an illusion, a constructed aim with a numbing effect. Depending on the individual’s perspective it can also be comforting. The illusion of security then becomes the most precious asset in the negotiation of fear.

Eva-05, Tunnel, Inkjet Print, 59 x 72cm, framed, 2009

Sabin Bors: Your images are based on several associations and connotations, yet these often take place outside reality. How do you define reality?

Sabine Schründer: Different realities — the political and the social, for example — are partly co-dependent, colliding with or permeating each other. If I were to create an image for this, I would visualize these individual realities as more or less transparent layers that, as existent planes, intersect each other at varying angles. The result is then a vastly complex grid formation that is incomprehensible to the individual in its entirety. Everyone is at a different points in this formation and therefore perceives elements of the whole from the point of view of their own substantiality. Because they’re concealed by the individual’s own perspective, many layers remain invisible and can only be surmised. This does not alter the existence of a giant, ever-changing formation. Confrontation with the given circumstances and conditions to which every individual is exposed can and does occur. Even when circumstances change and the individual is in a position to contribute to ‘progress’, it is ultimately their own perception, knowledge and point of view that can be altered; that is, their individual substantiality. The experience of this particular substantiality forms the basis for the direction and type of associations and connotations you mention. There is, of course, no right or wrong in this context, and although they may be strong and trigger subjective emotions, these perceptual displacements have little to do with reality as a whole and do not contribute to it directly. Perhaps just as dents in a plane.

A formal and aesthetic clarity makes it easy to remain in the pictorial world and to engage with it.

Sabin Bors: What really intrigues me in your images is the apparent calm, the apparent clarity, which is always disturbing. You remove the original context and create images that combine subjective and institutional control, identity and politics, but you place them in direct relation to nature and its seeming serenity. Although nature never reveals its turbulence in your images, it forms a contrast to subjective, institutional, or political unrest. What is the reason for creating a nature of contrasts? How does nature shape reality and vice versa?

Sabine Schründer: At first glance we don’t associate manifestations in nature with political or psychological issues. This has great potential. I’m not interested in portraying nature as such. I use places and landscapes as a location for my condensations. Nature as a familiar, untouched space is where I identify irritations and reinterpret traces of human intrusion. I present images of silence and absence, and by means of slight shifts and adjustments, attempt to remove or readdress the basis of this silence – which could also be a mental state. Insecurity in the seemingly familiar is then linked to the unstable conditions of reality. The very fact that I manipulate images and partly reconstruct them resonates with aspects of intrusion and control.

Sabin Bors: You speak of “aesthetic temptation” and “subliminal discomfort”. In between you create lucid, calm images of almost implacable restraint. How do you see the relation between hostility and hospitality, terms you have not used but that could explain some of the linkages you construct?

Sabine Schründer: Yes, maybe these phrases could be used to describe my images and what they cover. A formal and aesthetic clarity makes it easy to remain in the pictorial world and to engage with it. But when questions are insinuated and left unanswered or suggest something disturbing, we eventually turn away in irritation. It sounds mean but I see this as a personal transference of the social conditions that surround me. A glittering façade is valuable at first, yet it dissolves and reverses upon itself once you penetrate or become part of it.

Ellipsen, Steps, Inkjet Print, framed, 30 x 35cm, 2010

Sabin Bors: Why do you annul the points of reference in your pictures? Why distort and suspend surveillance? There is no surveillance in your work, only split seconds and anonymous junctures. At the most, surveillance is acceptance of and compliance with a prevailing suspension.

Sabine Schründer: As I said earlier, I don´t see surveillance as the primary aspect of security. For me it’s above all the institutional handling of fear and threat, both of which are abstract. More specifically on the subject of surveillance: it’s no longer a definable action or something we can prevent, but a prevailing CONDITION, a ubiquitous symptom of our culture. Surveillance is a given, especially as it not only refers to surveillance in the public arena, but as a means of institutional monitoring and manipulation of invisible layers or channels. What disturbs me is precisely this condition and the invisibility of control. My strategy is to transfer this anxiety by deleting points of reference. By asking questions and making attributions more difficult to discern. The information my images present is fragmented – the missing is conjured up or completed by association. The viewer is thrown back on himself by the elimination of presence, which in turn is recast by security cameras.

The image has a place, not the photographed place but an imaginary space we occupy while observing a particular image.

Sabin Bors: Society is based on specific structures that contain the dynamics of social relations. How can the individual break away from these dynamics and reinvent their own context?

Sabine Schründer: Although occasionally it might be difficult, each person has the possibility of altering their perception and attitude towards conditions that are given. This could well be the key to the autonomous redesigning of social relations. Our own substantiality can change at any moment and if we confront external changes with curiosity and awareness, and avoid lapsing into bored compliance, we can succeed in organizing our own social context. Often its a question of small changes within a small circle. In our interaction with others, but also in terms of balance between the possible and the impossible. I enjoy working with others, whether its through artistic collaboration or teaching – I consider the energy and inspiration that emerges from conversations, discussions or simply being together to be of the highest value and elementary to the realization of any form of change or evolution.

Sabin Bors: One of the artistic elements that I appreciate most in your work is the anti-narrative approach, your attempt to reinforce the notions of the individual against the backdrop of the grand social and political narratives. On the other hand, this secondary narrative form gradually seems to be consolidating the grand narratives. How can art develop these narratives without reverting to the same narrative pattern?

Sabine Schründer: I make use of different worlds of thought, an internal network of information, ideas, realms of experience, and fictions. My world view is, of course, influenced by what interests me, the books I read, the topics in my environment or the music I listen to. Ultimately it’s all connected. Confining the scope of a topic is often simply a sensorial adjustment in the search for new images and the struggle that this entails. So a photograph can be stored away for years. I don’t know what to do with it, what it means or what it’s about. I look at it again and again, reject it and then one day I see it from another perspective, work on it and delete or add information. Suddenly there’s a link with other inner spheres: contexts arise that I missed before and I know it will work, that it will connect to a greater whole. Every artist has their own inner world, so that there is little danger of embarking on a beaten track, even though people sometimes have similar approaches and techniques. On the other hand, when a particular technique is transferred or copied onto a new work as a superimposed stylistic device, it remains simply a technique. It will deliver an image, but one that has neither depth nor direction.

Sabin Bors: Your work does not show threat or fear as such. It indicates the space and the spacing in our fictions. Time is merely an interval, an interrupted spatial context. What is behind your emphasis on the spatial nature of threats and fears?

Sabine Schründer: In his essay „The Place of Painting“, John Berger states that “absence lies between time and space” (John Berger, Essay The Place of Painting, 1982). Each of the images presents a space the viewer can enter. The image has a place, not the photographed place but an imaginary space we occupy while observing a particular image. This place could be very far away — a space of absence. When hanging the pictures as an installation — something I consider extremely important for many works — I try to create an imaginary space in addition to the individual enfolded pictorial worlds presented, one in which several pictorial spaces either blend with or recoil from each other. I treat fear and threat as the principal sources or components of these imaginary spaces, and imbue my interpretations into them by orbiting spatial and psychological states of absence.

Ellipsen, Wall, Inkjet Print, framed, 110 x 133cm, 2010

Sabin Bors: You create elliptic constructions imagined as “a speculative space”. How do these blanks provide the key to a new interpretation and re-contextualization of social realities?

Sabine Schründer: Wealth, consumption, and data overload feign abundance and prosperity, and are frequently accompanied by a sense of inner emptiness, isolation and loneliness. So I see the creation of identities on new social platforms, for example, as the construction of a blank space. That’s my perception and I describe it in images that to a certain extent orbit these spaces or gaps. Digitally added blank spaces and the use of only a small number of images form a counterpoint to the daily media flood. Their connection in the installation produces a web of notions and codes to be deciphered by the individual, whereby no directions are given or interpretations offered. Ultimately these disconnected narrative structures are linked to the fragmentary consumption of information and knowledge. The Ellipses series is currently confined to a few images but I´m still working on it. The unfolding pictorial and information spaces are infinite and I find it exciting to create more images that express something but do not impart information. In the final analysis I’m interested in aspects such as isolation, emptiness, data flush, hermeticism, conformity and control – as I see it, the key aspects of social realities.

Digital identities make self-expression, self-idealization and digital recreation possible, and at the same time allow an illusion to emerge.

Sabin Bors: What is your interpretation of the terms effect, affect and defect?

Sabine Schründer: For me these terms are a mutually dependent combination of concepts, a continuous cycle of processes and conditions, which are interdependent but whose naming is interchangeable depending on the starting point of your explanation or what attitude you have towards these conditions. For example, depression and anxiety are the effect of a highly competitive society; in their original form anaffective disorder and at the same time a (psychological) defect — both for the individual and for society as a whole, given that depression is the most common mental illness in developed countries.

Sabin Bors: You also speak of creating digital identities. How do you see the relation between the digital and the analogue, and how do you interpret this?

Sabine Schründer: According to Alain Ehrenberg, the ideal individual is measured by personal initiative. This is interesting in terms of new social networks: the individual’s initiative is often equated with or derived from their activity on these platforms. Frequent posting means you are present and recognition comes from comments and “like it” posts. The individual is constantly in motion, is located and locatable in this virtual whirlpool, always “connected” and bent on being creative and pro-active. The characteristics of analogue identities and those of social platforms have become standardized. And our society, which demands more and more self-initiative and self-organization, has ultimately promoted both the importance and the significance of digital identities. Digital identities make self-expression, self-idealization and digital recreation possible, and at the same time allow an illusion to emerge, precisely in areas where the digital is far removed from the analogue identity. This gap between the digital and the analogue is fascinating, of course, and my idea is to get closer to this divide with my images. After all, this continuous merging of the two identity worlds eventually leads to conformity, standardization and indifference.

Sabin Bors: In describing „Ellipses“ you mentioned that a person – and a persona, if I might add – is defined by “precast options of personal categorization (…) created solely by economic interests”. This statement reveals a psycho-political rather than a bio-political approach, where marketing strategies become an inexhaustible source of existential design. How do you interpret this inner, almost physical and visceral propensity for existential design that defines current societies?

Sabine Schründer: Our present globalized society is determined by uniformity and homogeneity, and according to Bernard Stiegler our brain is being modeled for consumption (and not necessarily by products being oriented towards the needs of consumers). Permanent exposure to customized advertising, for instance, and the endless construction of new shopping centres makes it impossible to escape consumerism. Self-identification is no longer a matter of personal opinions and values, but is based more and more on things and symbols, that spread across the entire analogue and digital network. It´s a form of ego extension achieved by joining the standardization club. Visually and topically utterly boring and psychologically frightening! By the deliberate shifting of desires and values from social to consumerist topics, the masses are made to feel assuaged, carefree and dependent. The invisible mountain of information and data “hidden” somewhere is getting higher and higher, but we can never reach the summit and see the world from a distance. On the contrary, this mountain serves as a transparent control instrument and in terms of the future is culturally totally worthless.

intrude (into), Spots, Inkjet Print, framed, 80 x 100cm, 2007

May 2013
http://www.anti-utopias.com/constructed-aims-a-conversation-with-sabine-schrunder/