Sabine Schründer
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WACH–Neue Portraits, Ausstellung in der aff-Galerie

1. 4. 2014


Andreas Klein
Jan Hellerung
Paula G.Vidal
Stefanie Blume
Steven Lüdtke
Tom Blesch
Tony Haupt

kuratorische Beratung: Sabine Schründer

Eröffnung: 04.04.2014, 19 Uhr
05.04. bis 27.04.2014


aff galerie
Kochhannstr. 14
10249 Berlin

 
 


WACH als Verdichtung von Aufmerksamkeit, als Bewusstseinszustand zwischen Schlaf und Kontrolle,
als inhaltliche Klammer von neuen Portraitfotografien, die seit September 2013 am Lette-Verein
entstanden sind. In dieser Ausstellung treffen sieben junge Fotograf_innen des 3. Semesters aufeinander,
die im Fach Portraitfotografie bei Sabine Schründer Serien mit einer verbindenden Schnittstelle erstellt
haben: die visuelle Umkreisung eines emotionalen Schwebezustandes, eines Status zwischen fehlender
Dunkelheit und Erschöpfung, zwischen Traum und Präsenz. Es sind persönliche Auseinandersetzungen
und Interpretationen des Begriffs WACH, welcher als Vorraussetzung des alltäglichen Zusammenlebens
steht, jedoch in der Umkreisung seines Bedeutungskerns neue und ungewöhnliche Sichtweisen hervorbringt.
 
So sind es die Bilder von Tony Haupt, die das Leben in unserer modernen Gesellschaft reflektieren. Sie ist
geprägt von Aktivität, Projekten und Kreativität, was extreme Wachheit und ständige Flexibilität erfordert,
um sich darin zu behaupten. In der Serie von Andreas Klein sind es leise Beobachtungen von gedanklichen
Ausschweifungen, dem Rauschen durch die Zeit für einen Moment zu entfliehen. Vielleicht hängen die Prota-
gonisten Erinnerungen nach, die privaten Portraits erscheinen wie ein vager, zerbrechlicher Hauch. "Worum
geht´s hier überhaupt" ist die Frage, die sich scheinbar jeden Morgen beim Aufwachen ins Bewusstsein
drängt – sie ist der Antrieb für Portraitinszenierungen, die Tom Blesch mit seiner Familie gemacht hat.
Für den Fotografen ist es die versuchte Neupositionierung in einer fremd geglaubten Familienkonstellation,
für den Betrachter erscheinen die Portraits wie Filmstills eines bereits vergessenen Traums.
 
Temporäres Abtauchen aus den Anforderungen des Alltags, extreme Klarheit, Aufmerksamkeit und frei
gelegte Präsenz nach dem Auftauchen: Jan Hellerungs Portaits von Surfern, die soeben aus dem Wasser
gekommen sind, kombiniert mit Aufnahmen vom Meer und Landschaften der Umgebung, in denen die
Portraits entstanden sind. Alle Bilder erzählen von Freiheit, von purem Leben und vom bedingungslosen
Hier und Jetzt. Vorm Schlafengehen schnell noch mal die Mails checken und dann aufgesogen sein von
einem zeitlichen Vakuum, welches einen künstlich wach hält: das Licht des Computers, es lässt einen
nicht müde werden, stundenlanges zielloses Surfen durch das Internet. Das Blau des Bildschirms inter-
pretiert das menschliche Gehirn als Tag, es dient als einzige Lichtquelle für die Portraits von Paula G.Vidal.
Aus dem Kontext gelöste Gesichter, scheinbar durch die Nacht schwebend: Ortlos. Zeitlos.
 
Der Moment des morgendlichen Wachwerdens, in dem sich Traumwelt und Wirklichkeit vermischen, der
umhüllende Schutz der Nacht noch in den offenen, fassadelosen Gesichtern geschrieben ist, ist die
Entstehungszeit der fast transparent erscheinenden Portraits von Stefanie Blume. Sie erzählen in ihrer
Zartheit von diesen fragilen Minuten, in denen noch nichts festgelegt werden muss, alles ist einzig getragen
von den roten und gelben Reflektionen der Sonne, die an den Zimmerwänden mit dem neuen Tag locken.
Steven Lüdtke bedient sich bei seinen großformatigen Schwarz-Weiß-Portraits einer Technik, die zu Beginn
der Portraitfotografie im 19. Jh. unumgänglich war: Langzeitbelichtungen bei künstlichem Dauerlicht –
möglichst still halten, damit das Gesicht auch scharf abgelichtet wird. Diese technischen Einschränkungen
bestehen heute natürlich nicht mehr. Steven Lüdtke nutzt dieses Mittel bewusst, um den zeitlichen Faktor
des Wachseins zu verdichten, es ist sein Versuch dem Wesen, der Persönlichkeit der Portraitierten
näher zu kommen.
 
Text: Sabine Schründer


www.wach-ausstellung.de

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